Weltweit zu Zweit

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Australien – Coolgardie / Baxter Rest Area

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Kamele in Australien?!

Bereits die ersten Sonnenstrahlen kitzelten uns um kurz nach 5:00Uhr früh im Gesicht. Wir hatten auf unserem Flug wieder einige Zeitzonen durchquert und so wurde es wieder viel früher hell. Uns sollte das nur recht sein, mussten wir jeden Tag einiges an Wegstrecke hinter uns lassen. Nach einem leckeren Frühstück machten wir uns dann auf weiter Richtung Osten und waren bereits nach wenigen Minuten sehr überrascht. War das gerade ein Kamelschild? Einige Meter weiter kam bereits das Nächste und so konnten wir uns versichern, dass es sich tatsächlich um abgebildete Kamele handelte. Wir hatten in Australien mit einigem gerechnet, doch damit nicht. Bisher verorteten wir diese Tiere eher in die Wüstenlandschaften Ägyptens oder dem Orient. Gerne hätten wir einen Beweis in Form eines echten Kamels fotografiert, aber keines dieser exotischen Tiere ließ sich auf unserer Fahrt blicken. So mussten wir uns mit den Schildern zufrieden geben.

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Könnte fast einem Westernfilm entsprungen sein.

Wohingegen der erste Tag noch recht abwechslungsreich war von der Landschaft, bot sich auf dieser Strecke eine monotone Tristesse. Wir durchfuhren zwar immer wieder kleinere „Ortschaften“, etwas trostloseres hatten wir jedoch beide noch nie gesehen. Maximal vier bis fünf heruntergekommene Häuser reihten sich entlang des Highways aneinander und mit viel Glück noch eine Tankstelle oder ein Supermarkt. Damit war die Ortschaft bereits vollständig.

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Die größte Mine die wir je gesehen haben.

Ein kleines Highlight war für uns nur die Minenstadt Kalgoorlie, mit ihrer Super-Pit-Mine. Es ist Australiens größtes Goldbergwerk, das im Tagebau betreiben wird und das viertgrößte der Welt. Die Ausmaße sind unvorstellbar, der Tagebau erstreckt sich über etwa 3,5 Kilometer Länge, 1,5 Kilometer Breite und einer Tiefe von bis zu 360m Metern. Das Bergwerk ist so tief wie der Ayers Rock hoch ist und hat etwa den gleichen Umfang. Dementsprechend beeindruckt standen wir auch am Aussichtspunkt und versuchten die so klein erschienenen Bagger am Grund des Werks zu erkennen.

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Großer Christoph mal ganz klein.

Einige Ausstellungsstücke verdeutlichten jedoch, wie riesig die Fahrzeuge sind. So können die Muldenkipper, die das Gestein an die Oberfläche befördern, bis zu 225 Tonnen bewegen. Jeden Tag werden dort bis zu 240.000 Tonnen transportiert und so um die 700.000 Unzen Gold gewonnen werden. Wir fühlten uns neben diesem Bergwerk wie Zwerge. Um dieses Größenverhältnis irgendwie bildhaft festzuhalten, stellten wir uns in die ausrangierten Arbeitsgeräte. Einfach wahnsinnig, wie riesig diese sind.

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Wüste im Sommer, See im Winter.

Unser weiterer Weg wurde immer karger und die Bäume immer weniger, bis wir schließlich an einem völlig ausgetrocknetem See vorbei kamen. Es schien als hätte es schon seit sehr langer Zeit nicht mehr geregnet. Man wurde von einem Moment zum Anderen in eine Sahara-ähnliche Landschaft katapultiert. Selbst der klischeehafte Reifen auf dem trockenen bröckelten Boden fehlte nicht. Es war unglaublich wie wir gerade noch durch dichten Wald fuhren und nun inmitten einer Wüste standen.

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Eisenbahnstrecke

In der Ferne war eine Eisenbahnlinie zu erkennen, dessen Fahrspur nur wenige Meter über dem normalen Seelevel liegt. Als tatsächlich noch ein Zug um die nächste Ecke gefahren kam, war das Schauspiel perfekt. Wobei das eigentliche Schauspiel der Zug selbst war. Diese können nämlich eine Gesamtzugänge von bis zu zwei Kilometern (!) erreichen und ziehen eine Bruttogewicht von 10 bis nicht selten 30.000 Tonnen. Auch der Zug der vor unserem Auge vorbei zog, war mindestens einen Kilometer lang. Wir standen und standen und standen, aber der Zug nahm kein Ende. Da sie durch ihre unwahrscheinliche Länge nicht schnell fahren, erscheinen sie sogar noch ein bisschen länger. Als es dann doch kam, das Ende, machten wir uns wieder auf den Weg.

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Roadtrain

Wir schienen nochmals im Outback angekommen zu sein, denn abgesehen von einigen Road-Trains sahen wir nicht viele andere Fahrzeuge. Von einem Road-Train spricht man in Australien ab einer Lastwagenlänge von 36,5m. Wobei diese bis zu 53,5 Meter lang sein dürfen und dann bis zu 132 Tonnen ziehen. Wie beim Zug, ist hier wieder alles etwas größer als in Deutschland. Wir sind immer wieder fasziniert.

Dann irgendwann, waren wir in der Nullarbor-Ebene angekommen. Diese Wüste ist eine flache, weit ausgedehnte Karstwüste und mit ihren rund 200.000qm das größte Stück Kalkstein der Welt. Die Vegetation war nun endgültig baumlos. Die Nullarbor-Ebene beherbergt das trockenste Fleck Australiens und so fühlten wir uns auch. Durch den Flug in den Westen Australiens, war das Wetter auch wieder heiß und trocken. Nur dieses Mal kamen wir in den Genuss einer Klimaanlage – zum Glück.

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Das Grauen. 145 Kilometer schnurgerade aus.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, kam dann die wirkliche Ewigkeit. Denn wir passierten das Schild, auf das wir schon die ganze Zeit gewartet hatten: „90 Mile Straight“. Nun hatten wir sie erreicht, die längste völlig gerade befestigte Straße in Australien. Man kann das nur schwer in Worte fassen, wie man sich dabei fühlt. Aber ein echter Autopilot wäre definitiv sinnvoll, denn wenn es 145,6 Kilometer lang nur gerade ausgeht, ohne abwechslungsreiche Landschaft, dann könnte man alle 10 Minuten den Fahrer wechseln, da man schon wieder müde wird. Die Gruppe AC/DC, im Tourbus unterwegs, schrieb hier den Song „Highway to Hell“. Man könnte es passender nicht beschreiben.

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Stellplatz mit schöner Abendstimmung.

Wir schafften es auch gerade mal zur Hälfte, einerseits weil wir einfach nicht mehr konnten, andererseits weil es langsam dunkel wurde. Wir fuhren auf den nächsten Rastplatz, dieses Mal sogar mit Toilette, und kamen in den Genuss eines malerischen Sonnenuntergangs. Nach dem Abendessen konnten wir dann auch nicht anders, als uns vor den Camper zu stellen und den faszinierenden unendlichen Sternenhimmel zu bestaunen. Mit diesem Bild im Kopf diesen wir uns ins Bett fallen.

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