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Australien – Melbourne

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Unser „Drive-Thru“ Stellplatz der ersten Tage

An diesem Morgen war es soweit, wir fuhren unsere letzte Strecke nach Melbourne. Wir konnten es kaum fassen, dass wir bereits seit fast 2 Monaten unterwegs waren um dieses Ziel zu erreichen. Es fühlte sich an, als wären wir gerade gestern erst gestartet. Aber dieses Gefühl hatten wir bereits kennengelernt auf unserer Reise und haben uns immer vor Augen gehalten, wie viel noch vor uns liegt. Nach nur einer guten Stunde Fahrt waren wir bereits an unserem Tages- / Etappen- / Reiseziel angekommen. Während der Fahrt konnte man deutlich feststellen, dass wir in das Einzugsgebiet von Melbourne kamen, der Verkehr wurde immer dichter und die Straße immer breiter. Wir hatten uns für einen Campingplatz im Randbereich von Melbourne entschieden, waren alle anderen schlichtweg viel zu teuer. Wir konnten bisher ja nicht absehen, wie lange wir dort bleiben würden bzw. wie lange es dauern würde den Van zu verkaufen. Als wir am Campingplatz ankamen, konnte man uns aktuell leider nur einen Stellplatz für 30$ anbieten, sie hatten nämlich nur zwei Plätze für 20$ im Angebot und diese waren derzeit belegt. Da aber auch der höhere Preis immer noch günstig war, entschieden wir uns zu bleiben. Es war ein schöner Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten, so dass wir auch endlich einmal wieder Wäsche waschen und alle Küchenutensilien mit heißem Wasser reinigen konnten.

Für den Nachmittag hatten wir die ersten Besichtigungen vereinbart. Da wir uns in Melbourne überhaupt nicht auskannten, richteten wir uns einfach nach dem ersten Interessenten und baten alle weiteren Leute, auch dort hinzukommen. Bei der Fahrt zum Besichtigungspunkt im Westen der Stadt, wurde uns bewusst wie riesig die Stadt ist. Wir brauchten für eine ca. 40 Kilometer lange Strecke, ja so weit ist es dann von Osten nach Westen, über 1 1/2 Stunden. Somit erreichten wir den Parkplatz später als verabredet, aber die zwei Französinnen, die sich für den Van interessierten, hatten zum Glück Verständnis. Während wir unser Fahrzeug in allen Einzelheiten erklärten, vibrierte unser Handy, und zwei deutsche junge Hamburger kündigten sich spontan zur nächsten Besichtigung an. Kurze Zeit später kam bereits eine nächste Anfrage und auch diese junge Frau dirigierten wir zu dem Parkplatz. So kam es, dass wir plötzlich zwei Interessenten gleichzeitig da hatten und es mehr als witzig war, der Einen alles auf Englisch zu erklären und bei den Jungs das Vergnügen hatten, alles auf Deutsch besprechen zu können.

Wir hatten das Gefühl, dass der Van großen Anklang fand, aber sicher konnten wir uns natürlich nicht sein. Die Hamburger Jungs äußerten zwar bereits nach der Probefahrt, den Van gerne kaufen zu würden, aber zu welchem Preis? Da wir vorab bereits abgesprochen hatten, dass jeder der Besichtigten ein Angebot machen dürfte und wir uns dann für das höchste entscheiden würden, mussten wir abwarten, bis sich alle bei uns mit einem Preis zurückgemeldet hatten. Also hieß es vorerst noch die Zeit bis zur letzten Besichtigung totzuschlagen und wir fuhren zu einem nahen McDonalds. Wir gönnten uns zwar entgegen aller Gewohnheiten mal ein großes Menü, nutzten aber wieder wie immer das Internet. Nach der Pause machten wir uns auf den Weg zum nahe gelegenen vereinbarten Treffpunkt. Dort sollten wir die Interessentin treffen, wegen derer wir uns für die Gegend entschieden hatten. Als wir jedoch auf dem Parkplatz standen, kam sie auch nach über 40-minütigem Warten nicht. Wie sich später herausstellte, hatte sie uns schlichtweg vergessen. Uns ärgerte zwar nicht die verpasste Chance auf einen potenziellen Käufer, hatten wir glücklicherweise genügend Interessenten, aber die vergeudete Zeit und der gefahrene Weg einmal quer durch die Stadt speziell für sie war nicht sehr erfreulich.

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Könnte fast die DB-Haltestelle sein an der wir unsere Reise gestartet haben.

Nachdem wir nicht länger warten wollten, machten wir uns auf die 1 1/2 stündige Heimfahrt. Wir planten jedoch einen kleinen Umweg ein, hatten wir auf dem Hinweg ein uns bekanntes Ortsschild gesehen und besuchten „Heidelberg“. Wir konnten es uns nicht verkneifen ein Bild von der Bahnstation zu machen, hatten wir schließlich unsere Reise im deutschen Heidelberg begonnen.

Zurück am Campingplatz ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren und konnten es im Grunde immer noch nicht fassen, dass wir bereits wieder am Verkauf des Vans waren. Hatten wir ihn nicht erst gestern gekauft? Wobei die über 5.000 geschossenen Bilder von Australien eine deutlich andere Sprache sprechen. Mit ein bisschen Wehmütigkeit gingen wir nach diesem langen Tag ins Bett und konnten es kaum fassen, als uns eine Nachricht der beiden Hamburger erreichte: „Wir würden euren Van sehr gerne kaufen und würden den vollen Preis bezahlen!“ WUAH?! Hatten wir das gerade richtig gelesen?…Kaufen?…Voller Preis?…. Wir konnten es kaum fassen. So viele Zweifel beschlichen uns in den letzten Tagen ob jemand den Van überhaupt kaufen würde und hatten uns auf eine langwierige Zeit eingestellt und nun das. Mit einem riesigen Lächeln auf den Lippen und der Erleichterung, dass wir (wohl) keine Probleme haben würden das Auto zu verkaufen, konnten wir entspannt einschlafen.

Der kommende Morgen bestand für uns aus einem ausgiebigen Frühstück und dem Abwarten der anderen Angebote. Wir wollten schließlich noch jedem die Möglichkeit geben, sich zurückzumelden. Trotzdem konnten wir es immer noch nicht fassen. Schließlich war der Van, so gut wie, verkauft. Alle anderen bis dahin eingehenden Nachrichten von neuen Interessenten, vertrösteten wir erst einmal auf einen unbestimmten Zeitpunkt. Wir wollten sie einerseits nicht vergraulen, sollten wir den Van doch nicht verkauft bekommen und andererseits wollten wir uns selbst nicht den Stress machen, noch weitere Besichtigungen machen zu müssen, sollte der Verkauf gleich zu Stande kommen. Wir beschäftigten uns in der Zwischenzeit mit längst Überfälligem: Wäsche waschen, unsere Habseligkeiten im Van langsam wieder zusammen sammeln und vor allem mit der Internet Recherche wie unsere kommenden zwei Wochen in Australien aussehen könnten. Außerdem mussten wir uns noch mit dem „Bürgerbüro“ in New South Wales (NSW) auseinandersetzen, denn unsere neuen Autopapiere mussten noch irgendwie den Weg zu uns finden. Wir befürchteten bereits das Schlimmste, was bedeuten würde, dass wir die 500km an die NSW-Bundesgrenze zurückfahren müssten um die Papiere persönlich entgegen zu nehmen. Aber auch hier zeigte sich mal wieder der entspannte bürokratische Ablauf der Australier, nach einem längeren Telefonat mit der zuständigen Stelle, bot man uns an, alle erforderlichen Unterlagen einfach an eine von uns genannte Wunschadresse zu schicken. Wir waren so erleichtert. Also nannten wir die Adresse des Campingplatzes auf dem wir in Melbourne standen und man versicherte uns, dass die Post in den kommenden Tagen bereits ankommen würde. Perfekt.

In der Zwischenzeit hatten wir ein Angebot von den französischen Mädels bekommen, was jedoch 600$ unter unseren Vorstellungen lag. Ein anderer Interessent, bot uns an, dass Geld direkt am kommenden Morgen bar zu übergeben. Somit hatten wir zwei, die den vollen Betrag zahlen wollten und ein niedrigeres Gebot. Uns fiel es nicht schwer, uns für die Jungs aus Hamburg zu entschieden, wir wussten, die beiden würden viel Spaß mit unserem Van haben und schätzten die Arbeit die wir investiert hatten.

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Anstoßen! Der Van ist verkauft!

Nachdem wir aber allen Anderen abgesagt hatten, wurde es erst richtig verrückt. Es gingen immer höhere Gebote ein und jeder wollte den Van unbedingt haben. Selbst die Französinnen gingen plötzlich sogar noch über unseren ursprünglichen Preis. Wir wollten jedoch keine „Auktion“ daraus machten, sondern standen zu unserem Wort, dass das erste höchste Angebot das Auto bekommen sollte. Wir hatten also die Freude den Jungs mitteilen zu können, dass wir ihnen unser geliebtes Baby verkaufen würden. Wir verabredeten uns für den kommenden Abend um einige Details zu klären und einige Tipps und Erlebnisse auszutauschen. Außerdem ließen wir es uns nicht nehmen, für den Abend ein tolles Abendessen zu kochen und einen Sekt zu kaufen. Es musste ja schließlich angestoßen werden, dass wir das Auto erfolgreich verkauft hatten.

Mit der Zusage des Verkaufs, fing bei uns der Gedankenkreisel jedoch erst an: Was machen wir die nächsten zwei Wochen? Versuchen eine Relocation zu finden? Oder einen Leihwagen nehmen? Vielleicht einfach in Melbourne bleiben? Aber Städtetour war so gar nicht unser Ding. Und wir wollten unbedingt noch die Great Ocean Road sehen. Unsere Priorität lag also erst einmal darin zu sehen, ob wir eventuell eine Relocation finden konnten. Das bedeutet, dass ein Wohnmobil-Verleiher Fahrer sucht, die einen ihrer Wohnwägen von Punkt A nach B fährt. Meist für nur wenige Euro am Tag Leihgebühr. Aber diese Angebote kamen meist kurzfristig und waren sehr beliebt. Wir überprüften also regelmäßig die bekannten Anbieter, hatten aber bisher kein Glück für eine passende Strecke. Selbst ein reserviertes Angebot wurde wieder storniert. Die Idee des Leihwagens wäre nur eine Notfall Lösung. Wäre diese Option einfach unfassbar teuer. Wir waren frustriert, weil wir einfach nichts finden konnten und in wenigen Tagen würden wir bereits den Van abgeben müssen.

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Wir haben sogar die Zeit für einen selbstgemachten Auflauf – yammie!

Es vergingen also einige Tage mit der angestrengten Suche nach einer Möglichkeit die kommenden Wochen zu verbringen und den Van final vorzubereiten. All unsere Sachen mussten wieder in unseren Rucksäcken ihren Platz finden, alle Utensilien gereinigt werden. Es war ein komisches Gefühl alles wieder einzupacken und wir verspürten bereits Wehmut nicht mehr in unserem Van leben zu können. Aber es war auch eine Spur Erleichterung dabei. Den Van zu besitzen hieß schließlich auch immer ein Risiko zu haben, wusste man nie ob irgendwann eine Reparatur o.ä. anfallen würde. Und wenn einmal etwas anfiel, schluckte dies unfassbar viel Zeit. Das durften wir in den letzten Tagen mal wieder am eigenen Leib erfahren. Wir hatten den Van mit einem frischen Ölwechsel angeboten, dieser musste jedoch noch erledigt werden. Über Groupon hatten wir einen phänomenalen Deal gefunden und hatten kurzfristig noch einen Termin in der Werkstatt bekommen. So weit so gut. Aber als wir dann unseren Wagen pünktlich um 08:00Uhr abgegeben hatten, teilte man uns mit, dass er frühestens nach der Mittagspause fertig sei. Aha?! Und was sollten wir so lange machen? Auf genau diese Rückfrage schickte man uns dann ins nahe Shopping Center. Juhey- wir konnten unsere Freude über Shoppen kaum in Grenzen halten. Aber wir nahmen es hin, wäre danach alles erledigt und der Wagen erneut durchgecheckt. Als wir dann jedoch 5 Stunden später wieder im Laden auftauchten, hatte unser Van nicht einmal die Werkstatt von Innen gesehen. Wir waren…. uaaaahaha…. Als hätte man nichts besseres zutun. Also auf der Couch Platz nehmen und wieder zwei Stunden warten. Der Tag war gegessen. Wirklich.

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Letzter Tag mit dem Van!

Viel zu schnell kam dann auch die letzte Nacht in unserem mittlerweile so lieb gewonnen Bett und Heim der letzten zwei Monate. Mit einem Glas Wein ließen wir die vergangene Zeit noch einmal vor unserem inneren Auge ablaufen und wir wussten bereits, es würde sicher nicht der letzte Van sein den wir ausgebaut hatten. Dafür hatte uns das alles viel zu viel Spaß gemacht und auch wir denken, dass es kein schlechter Job war, den wir da gemacht hatten.

Ohne weitere Pläne machten wir dann am kommenden Vormittag ein Treffen mit den Jungs in der Innenstadt von Melbourne aus, um den Van zu übergeben. Von dort wollten wir zu Fuß zu einem nahen Hostel laufen und schauen was uns die Tage erwarten würde. Kurz bevor wir uns ein letztes Mal hinter das Steuer setzten wollten, checkten wir noch einmal die Angebote der Relocations und fanden tatsächlich etwas passendes. Von Perth sollte ein Camper nach Melbourne gebracht werden und dies sollte bereits am kommenden Morgen starten. Wir rannten fast zum Laptop und liefen wie die Bekloppten über den Parkplatz um den besten Empfang zu finden, denn die Angebote waren fast immer innerhalb von wenigen Minuten (!) ausverkauft. Wir waren wohl aber schnell genug mit unserer Reservierung und fanden die Bestätigung über die Relocation in unserem Eingangskorb. So schnell konnten sich Pläne also ändern. Wir fuhren auf dem Weg zur Übergabe noch schnell bei einem Einkaufszentrum mit Internet vorbei, mussten schließlich noch Flugtickets für den selbigen Tag gekauft werden. Nachdem dies erledigt war, konnten wir nichts anderes mehr tun, als zum vereinbarten Treffpunkt zu fahren und unser geliebtes Auto an die Jungs zu übergeben. Dass sich die beiden so freuten, machte es uns um einiges leichter.

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ByeBye Van! Sollte das, dass letzte Bild sein?!

Nachdem die Reise also mit dem Van nun wirklich und endgültig vorbei war, machten wir uns mit unseren Rücksäcken auf den Weg zum nahe gelegenen Bahnhof. Dort schlossen wir unser großes Gepäck ein und erkundeten zum allerersten Mal die Stadt selbst. Zu Fuß und mit der kostenlosen uralten Stadtbahn, konnten wir innerhalb weniger Stunden fast den kompletten Innenstadtbereich bestaunen. Uns gefiel Melbourne mit seiner Mischung aus Moderne und Traditionell, Bebauung und Grünflächen. Zu erst machten wir uns zu Fuß zum Hafengebiet auf, welches sich durch viele neu gebaute Bürogebäude auszeichnet. Auf einer schattigen Bank genehmigten wir uns auch erst einmal ein leckeres Stück Pizza. Noch fühlte sich alles beim Alten an. Wir würden sicher bald zurück zu unserem Van… ach nein… die Zeiten waren vorbei. Puh. Das würde noch dauern, sich daran zu gewöhnen.

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Entspannen und der Musik lauschen.

Nach der kurzen Pause nahmen wir dann die kostenlose hölzerne Stadtbahn in Richtung Federation Square. An diesem Ort finden jährlich bis zu 2.000 Veranstaltungen statt, so dass es uns nicht wunderte, dass gerade eine Musikgruppe ihre Lieder zum Besten gab. Da es an diesem Tag außergewöhnlich heiß war und die Sonne bereits seit mehreren Stunden auf uns niederbrannte, machten wir dort eine Pause in einer der zahlreichen Liegestühle.

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Yarra River mitten in Melbourne

Aber schon nach kurzer Zeit zog es uns zum nahen Yarra River. Entlang der schattigen Promenade schlenderten wir fast bis zum Melbourne Park. Hierher wollte ich eines Tages wiederkommen. Denn ich möchte unbedingt einmal in meinem Leben die Australien Open Live erleben. Leider finden diese erst im Januar statt, so dass wir das mit unserer Reise nicht kombinieren konnten. Dann mussten wir eben eines Tages wiederkehren 🙂

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Street Art – nicht nur an den Wänden.

Auf dem Rückweg zur Innenstadt und Richtung Chinatown, nahmen wir eine der vielen kleineren Seitenstraßen und landeten in der Hosier Lane. Weltweit bekannt für ihre StreetArt. Mit zahlreichen anderen Bewunderern, liefen wir andächtig durch die Gasse und versuchten viele der Kunstwerke mit der Kamera festzuhalten. Danach machten wir uns auf den Weg auf die andere Seite des Viertels, wollten wir noch einen Blick auf den Queen Victoria Market werfen. Leider mussten wir vor Ort feststellen, dass dieser Donnerstags schon früh seine Pforten schloß. Da uns aber nach den vielen Stunden auf den Beinen langsam die Puste ausging, machten wir uns einfach auf den Rückweg zum Bahnhof.

Nachdem unser Gepäck eingesammelt war, nahmen wir einen der Schnellbusse zum Flughafen Melbourne. Wir waren gespannt wie die kommenden Stunden ablaufen würden, denn unser Flug nach Perth würde bereits um 01:00Uhr morgens landen und wir hatten dann noch 9 Stunden zu überbrücken bis wir unser Auto abholen können würden. Aber wir ließen es einfach auf uns zukommen und nutzten die Zeit am Flughafen noch für einige Zeilen Blog und um endlich mal wieder einige Nachrichten in die Heimat zu schicken.

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