Weltweit zu Zweit

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Australien – Darwin

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Nachdem wir am Flughafen Denpasar unsere Freunde zurück nach Deutschland verabschiedet hatten, machten wir uns auf zu unserem Flieger der uns Richtung Australien bringen würde. Es war schon immer ein großer Traum von uns beiden diesen Kontinent einmal zu besuchen, dementsprechend aufgeregt und voller Vorfreude waren wir während unseres Flugs nach Darwin. Endlich angekommen, erwies sich die Einreise zwar als streng kontrolliert aber als einer der schlecht ausgebautesten Flughäfen auf denen wir waren. Kaum eine Menschenseele, kein Restaurant, kein Infostand und die öffentlichen Verkehrsmittel fanden wir erst recht nicht. Wir entschlossen uns kurzerhand also ein Taxi zu nehmen, was blieb uns auch groß anderes übrig, und ließen uns in das gebuchte Hotel bringen. Wir sind mittlerweile keinesfalls anspruchsvoll geworden, aber es zeigte sich, dass ein Doppelzimmer mit eigenem Bad und Pool Areal genauso viel kostet wie zwei Betten in einem 8-Bett-Hostel-Zimmer. Wir mussten also nicht lange überlegen und „gönnten“ uns das Hotelzimmer. Um 21 Uhr endlich an der richtigen Adresse angekommen traf uns fast der Schlag, wir hatten einen knurrenden Magen und freuten uns auf nichts mehr als ein leckeres Essen, als uns der Rezeptzionist mitteilte, dass die Küche ab 21Uhr schließt und auch in Darwin selbst alle Restaurants um diese Uhrzeit geschlossen hätten. Wir waren baff – da dachten wir, wir wären wieder in einem modernen, westlichen Land angekommen und dann sowas. Da wir keineswegs ohne Essen ins Bett wollten, machten wir uns voller Hoffnung auf, wenigstens irgendetwas zu finden. Zum Schluss war es wie überall auf der Welt: Kebab oder McDonalds standen zur Verfügung. Wir entschieden uns für das Erste und waren auch positiv überrascht über den Geschmack, jedoch keineswegs über den Preis. Für zwei kleine Kebabs und ein kleines Wasser mussten wir schlappe 30$ (ca. 20€) bezahlen. Autsch. Und wir hatten uns schon für das günstigste Essen entschieden. Daran mussten wir uns definitiv erst noch gewöhnen, nachdem wir immer nur zwei bis drei Euro für ein leckeres Essen in Indonesien ausgegeben hatten.

Abgesehen von den australischen Preisen waren wir begeistert von der Mentalität. Es ist sicher nicht jedermanns Sache und auch wir mussten zu Beginn erst einmal ein paar Umgangsformen googeln, aber uns gefällt es, dass man nicht nur „Hallo“ und „Tschüss“ sagt, sondern auch gleich noch hinterher schiebt wie es einem geht oder wie es gerade läuft. Außerdem verfielen wir überall in einen netten Plausch und da wir irgendwie noch keine Ahnung von gar nichts hatten, half uns jeder mit einem Lächeln auf den Lippen weiter. Wir sind gespannt, ob es bei diesem ersten Eindruck bleiben wird oder ob es sich ändern wird. Wir werden berichten.

Der erste Morgen beginnt nochmals teuer, ein Frühstück für uns beide kostet uns nochmals 30$ und wir beschließen, ab sofort selbst zu kochen. Damit würden wir auf jeden Fall einiges an Geld einsparen. Wir nutzen das Internet vom Hotel und machten uns erstmals auf die intensive Suche nach einem Transportmittel für die kommenden zwei Monate. Zuerst hatten wir mit dem Gedanken gespielt uns ein Auto zu leihen, hätten wir damit einfach keinerlei Risiko. Aber wir wollten nicht so viel Geld ausgeben und hatten auch richtig Lust uns einen eigenen kleinen Van zu kaufen, den wir dann vielleicht mit etwas Glück zum selben Preis oder nur mit wenig Verlust wieder verkaufen können würden. Wir suchten also die bekannten Plattformen ab, überprüften die schwarzen Bretter in Hostels und hörten uns um. Zu Beginn lief es mehr als schleppend. Nach drei Tagen hatten wir uns erst zwei Vans angeschaut, der eine gefiel uns von der Ausstattung nicht, der andere war überteuert. Also die Suche intensiviert, in diverse Facebook Gruppen eingetreten und tatsächlich konnten wir noch am selben Tag drei weitere Autos anschauen. Jedoch überzeugte keiner von Ausstattung oder Preis, aber die Tage in Darwin gingen so schnell vorbei und wir wurden immer unsicherer was wir tun sollten.„Kommt da noch ein Passender? Sollen wir vielleicht doch etwas mieten? Nein, das wäre zu teuer. Aber was ist wenn wir keinen zum Kauf finden? Sollen wir mehr Geld ausgeben? Mit dem Zug weiterreisen und an der Ostküste ein Auto suchen?…?“ Dazu hatten wir im Hinterkopf, dass uns jede Nacht im Hotel weitere 45€ kosten würde und wir hatten gerade mal ein Tagesbudget von 60€. Dann erfuhren wir auch noch, dass die Regensaison dieses Jahr besonders früh beginnen würde und somit alle Backpacker aus Darwin raus wollten. Verbesserte unsere Ausgangslage dann auch nicht weiter…

Wir gingen also in Ruhe nochmals alle Optionen durch und da kam uns der Van in den Sinn, den wir als aller erstes besichtigt hatten. Die Ausstattung im Inneren hatte uns sofort abgeschreckt, aber eigentlich hatte dieser gute technische Daten und einen geringen Preis. Uns kamen plötzlich andere Gedanken: „Was wäre wenn wir diesen günstig erwerben und ihn nach unseren eigenen Wünschen ausbauen würden? Wir sind beide sehr gut im Handwerken also könnten wir den Umbau sicher schnell schaffen. Trauen wir uns das zu?“

Wie konnte es anders kommen, wenn zwei Architekten die Chance haben etwas zu designen und bauen? Sie tun es! Wir arrangierten also alles mit dem Verkäufer, ein sehr netter Franzose in unserem Alter, und konnten den Van bereits nach zwei Tagen unser Eigen nennen.

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Werkbank mal anders.

Wir hatten in der Zwischenzeit unsere Ideen für den Bau zu Papier gebracht und Christoph im Anschluss den detaillierten Plan digital gezeichnet (wenn schon, denn schon!). Nachdem der Van entrümpelt war, konnten wir zügig mit dem Bauen beginnen. Wir suchten uns ein großes Bauhaus (Bunnings) und kauften uns erstmal passendes Equipment. Mit Stichsäge und Akkuschrauber bewaffnet, fingen wir dann neben dem Parkplatz von Bunnings an zu bauen. Als Werkbank diente ein Einkaufswagen und mit großen Planen versuchten wir uns vor der größten Hitze zu schützen.

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Erstes Nachtlager

Doch da ein Van nicht gerade durch Orthogonalität glänzt, dauerte alles doch etwas länger als geplant. Da wir jedoch kein Geld mehr für das Hotel ausgeben wollten, fuhren wir nachts aus dem Großraum Gebiet Darwin hinaus um dort auf einer Seitenstraße zu schlafen, um am frühen Morgen wieder zurück auf den Parkplatz zu fahren. Anfangs fühlten wir uns noch etwas fehl am Platz, aber es war ein ruhiges Plätzchen und am Morgen wurden wir mit einem tollen Sonnenaufgang geweckt.

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Bei der Arbeit!

Die Zeit verging schneller als uns lieb war und der Ausbau so langsam, dass wir immer noch nicht losfahren konnten. Am dritten Tag saßen wir gerade in der brütenden Mittagshitze (ca. 35°Grad und schwül wie S**), wir waren kaputt, müde und hatten wieder eine Nacht auf der Straße mit einer Dusche am Strand vor uns, da kam ein Auto auf den Parkplatz, welches ich bereits kannte. Tags zuvor kam nämlich ein Australier zu uns gefahren und fragte, ob wir Hilfe bräuchten. Da Christoph zu diesem Zeitpunkt jedoch davon ausging, dass wir nur noch wenig Arbeit vor uns hätten, schickten wir ihn wieder weg. Nun bot er uns erneut Hilfe an und wir nahmen sie dankend an. Wir dachten, dass er eine Werkstatt o.ä. hätte in der wir mit professionellen Maschinen schneller arbeiten würden.

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Alles besser als der Van (noch!)

Was uns erwartete war jedoch viel besser. Es gab tatsächlich gute Maschinen, jedoch in einer zu renovierenden 2-Zimmer-Wohnung in der wir auch gleich kostenlos übernachten durften. Inklusive Badezimmer, Klimaanlage und Pool. Wir waren sprachlos. Als er uns auch noch anbot, ruhig ein paar Tage bleiben zu können, hätten wir ihn am liebsten abgeknutscht. Dieses Angebot schien zu gut um wahr zu sein, aber wir griffen natürlich zu und genoßen nach einer Dusche erst einmal etwas warmes zu essen.

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Erster Teil der Einbauten

Wir schafften es dann mit dem Equipment unseres Engels, den Van innerhalb von 36 Stunden soweit auszubauen, dass wir losfahren konnten. Man muss schon sagen, dass wir zwischenzeitlich keine Lust mehr hatten und an unserem Projekt zweifelten. Wir fragten uns, ob es den ganzen Aufwand wirklich wert ist. Aber als unsere kleine Küche und das ausziehbare Bett endlich im Van verschraubt waren, sahen wir uns überglücklich, stolz und siegessicher an: JA – das war es wert! Nun ist es unser Van. Jetzt fühlen wir uns wohl.

Nach dem letzten Frühstück in Darwin und einem kurzen Stop bei Peter, unserem Retter, kauften wir noch einiges an Utensilien ein: Pfanne, Kissen, Besteck, Teller, Wasserbehälter und auch ein bisschen was an Essbarem. Und dann… dann ging es tatsächlich los auf die Straße. Um die erste Strecke auf unserem langen Weg nach Melbourne (ca. 10.000km) hinter uns zu bringen.

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