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Sri Lanka – Adam’s Peak

In aller Frühe kämpfen wir vier uns aus den Hostel-Betten und genehmigen uns schnell noch ein typisch Sri-Lankisches Frühstück: Toast, Butter, Marmelade, Omelett und Tee. Obwohl wir beide eigentlich nicht so die „Süßen“ am Morgen sind, gewöhnen wir uns recht schnell an das Angebot. Im Anschluss werden nochmal alle Zimmer gecheckt, schließlich vergaß Maren das letzte Mal ihr Handy in dieser Unterkunft. Wobei wir darüber fast ein bisschen froh sind, denn ansonsten wären dir beiden nicht noch einmal nach Kandy gekommen und wir hätten die beiden gar nicht erst kennengelernt. Guter Dinge dieses Mal alles dabei zu haben, fuhren wir mit dem TukTuk zum Bahnhof. Bereits am Bahnsteig wurde uns langsam bewusst was uns blühen würde, tummelten sich dort Unmengen an Touristen und Einheimischen, die wie wir keinen Sitzplatz reservieren konnten, um nach Hatton zu fahren. Also wurde schnell ein Plan geschmiedet: die Frauen bekamen die kleinen Rucksäcke und sollten sich vordrängen um einen Sitzplatz für alle zu ergattern. Die Männer könnten dann mit den großen Rucksäcken entspannt nachkommen. Naja – ging irgendwie schief. Am Ende standen Maren und Mia genauso wie Christoph und Matheus im Gang, nur dass wir nicht einmal beieinander standen. Man muss sich dazu einen Zug folgendermaßen vorstellen: Man nehme einen Pendlerzug von Karlsruhe nach Stuttgart in der Rush-Hour, entferne die Klimaanlage (wobei, dass kriegt die DB auch gut hin), öffne alle Türen und Fenster während der Fahrt, nimm noch ein paar Verkäufer mit ihren Lebensmitteln hinzu und dann nur noch ein- oder zweihundert Menschen mehr. Es gab also kein Durchkommen zueinander, aber glücklicherweise hatten sich zumindest die Zugtickets unbewusst auf beide Paare passend aufgeteilt. Nach einer gefühlten Ewigkeit, konnten dann sogar die Männer ihre Frauen abholen und mit Sitzplätzen überraschen.
Es war eine wunderschöne Fahrt ins Hochland und man konnte kaum den Blick abwenden von solch zahlreichen Teeplantagen, Nadelwäldern oder Talblicken. Unterstrichen wurde das ganze von Studenten aus Sri Lanka die traditionelles Gesänge durch das Abteil erklingen ließen. Nach dreistündiger Fahrt endlich in Hatton angekommen, ging es für uns zu Fuß direkt zum Busbahnhof. Dank der Hilfe der Busfahrer fanden wir schnell unseren Bus zur Weiterfahrt nach Maskeliya. Erfreulicherweise stellten wir dort angekommen fest, dass wir im gleichen Bus sitzen bleiben durften um dann das letzte Stück zum Adams Peak zurückzulegen. Die Wartezeit von ca. 45 Minuten ging rasend schnell vorbei, da wir von den in den Bus stürmenden Schülern ausgefragt wurden. Es wurde eine fantastische Fahrt auf der wir Zeichnungen und Texte geschenkt bekommen haben und man sich gerne für Fotos in Pose setzte. Am meisten beeindruckte uns wohl aber eine 93-jährige Frau die uns erzählte und mit Bildern belegte, dass sie bereits 86 Mal auf den Adams Peak gestiegen und immer noch als Guide aktiv sei. Erst später wurde uns klar, was für eine Leistung das bedeuten würde.
In unserem Dorf angekommen, es besteht aus einer Straße am Hang und wenigen Hotels, fanden wir schnell unsere zuvor online gebuchte Unterkunft mit dem skurrilen Namen „Daddys Guesthouse“. Wir hatten uns für ein Familienzimmer entschieden und waren nach den vielen Nächten im Hostel begeistert. Aber im Grunde hatten wir uns einfach für die günstigste Unterkunft entschieden, würden wir eh nur eine halbe Nacht im Bett verbringen. Aber dazu später mehr.

Wir genoßen unser komfortables Zimmer mit eigenem Bad und beschlossen schon recht früh zu Abend zu essen. Es wurde der teuerste Abend überhaupt, da das Essen dort vergleichsweise teuer ist und wir uns auch noch für eine Runde Bier entschieden haben. Es stand schließlich auch eine riesige Aufgabe am nächsten Tag bevor.
Wir hatten nämlich den irrsinnigen Plan entwickelt, auf den Adams Peak zu „wandern“. Es ist der sogenannte Schmetterlingsberg mit einer Höhe von 2243 Metern und ist eine Pilgerstätte für Buddhisten, Hindus, Muslime und Christen. Auf dem Gipfel steht ein bewohntes Kloster in dem sich angeblich ein riesiger Fußabdruck von Buddha befinden soll. Hindus sehen den Fußabdruck als den von Shiva an, Muslime als den Abdruck von Adam und die Christen glauben, dass er von Apostel Thomas ist. Die Religionen sind sich also nicht ganz so einig, wer da denn nun einen Fußabdruck hinterlassen hat, aber alle sagen, man muss den Berg zumindest einmal im Leben bestiegen haben. Da haben wir uns natürlich auch angesprochen gefühlt und wollten den Berg so besteigen wie man es traditionell tut: in der Nacht.
Wir vereinbarten also um zwei Uhr morgens loszulaufen um rechtzeitig zum Sonnenaufgang die 7km lange Strecke bestehend aus steilen Stufen und Klettersteigen hinter uns gebracht zu haben. Während der Pilgersaison wird die komplette Strecke sogar elektrisch beleuchtet, aber wir hatten mit Stirnlampen (vielen vielen Dank liebe Tennisgruppe – euer Geschenk hat sich sowas von ausbezahlt!) vorgesorgt.
Pünktlich um zwei Uhr schafften wir vier es auf die Straße, eingepackt in alles was unsere Rucksäcke an warmen Sachen zu bieten hatten. Mit guter Laune und vollem Tatendrang folgten wir der Wegbeschreibung unseres Hotelbesitzers. Wobei uns nach wenigen Sekunden klar war, dass wir diese gar nicht gebraucht hätten. Vor uns lief bereits eine große Gruppe wanderlustiger Touristen und es wurden immer immer mehr. Die erste halbe Stunde gestaltete sich als ein angenehmer, nur leicht ansteigender Fußmarsch bei dem jedoch ein wenig Regen einsetzte. Da es warm war, störten wir uns nicht daran und zogen weiter unseres Weges. Hatten wir anfangs noch ein gutes Tempo machte sich nach spätestens zwei Stunden bei Mia ihre Erkältung bemerkbar und alle anderen waren ihr überaus dankbar für ihre regelmäßigen Verschnaufpausen. Danach wurde es einfach immer schlimmer: in absoluter Finsternis, mit nunmehr starkem Regen, kaltem Wind, keiner Teestube die offen hatte (obwohl angepriesen) und der Ungewissheit wann denn nun der Gipfel erreicht wäre, quälten wir uns von Abschnitt zu Abschnitt bzw. von Pause zu Pause. Mit jedem Höhenmeter wurde es kälter, nebliger und es wurde mehr zum Kampf mit unserem Geist als mit dem Körper. Der wollte nämlich schon lange wieder umdrehen. Doch die Gruppe war sich eins: Wir würden es bis zum Gipfel schaffen, egal wie lange es dauern würde. Matheus sagte passenderweise: „Wir machen das wie die Zugvögel, das langsamste Tier geht voraus und alle anderen hinterher.“ Unter normalen Bedingungen wäre ich (Mia) fast schon beleidigt gewesen, hat er damit doch an diesem Tag mich gemeint, aber in diesem Moment entfuhr der Gruppe einfach nur ein herzliches Lachen.
Dann, „plötzlich“ nach über 3 1/2 Stunden stetigem Treppensteigen meinten wir schemenhaft Gebäude zu erkennen. Und tatsächlich, wir hatten den Gipfel erreicht. Durchgeschwitzt und von jeglicher Kraft verlassen, drängten wir uns auf einem Plateau mit vielen Anderen dicht zusammen. Dabei boten sich uns Anblicke bei denen wir wirklich sprachlos wurden: da standen tatsächlich junge Frauen in HotPants und T-Shirt. Zum Vergleich unsere Kleider: lange Hose, T-Shirt, Pullover, Fleece, Jacke, Mütze und Schal. Und uns war weiß Gott nicht warm. Maren brachte aber dann die Wohltat des Tages und konnte Tee an einer Tür kaufen. Ja, einer Tür. Es war herrlich anzusehen, wie sich alle Menschen um eine kleine Tür versammelten die ab und an aufging und man dann per Zeichen angeben konnte wie viel Tee man gerne hätte. Dann ging die Tür wieder zu und nach einigen Minuten ging die Tür wieder auf und man bekam seinen Tee.
Der Wind pfiff in der Zwischenzeit heftig und brachte eiskalte Luft mit sich. Doch wir wollten schließlich den vorher angekündigten atemberaubenden Sonnenaufgang bewundern und so harrten wir noch aus. Leider wurde uns langsam bewusst, dass sich eine riesige Nebelwand um den Gipfel gebildet hatte und als spätestens um 06:00Uhr die Mönche den Eingang zum Tempel öffneten, war uns klar, dass es schlichtweg kein Sonnenstrahl durch den Nebel schaffen würde. Wir beschlossen in einem Zustand zwischen übermütigem Frohsinn den Aufstieg geschafft zu haben und missmutiger Erschöpfung den Abstieg anzutreten. Zumindest sollten wir dort für unsere Ausdauer belohnt werden und nach und nach lichteten sich die Wolken und boten uns eine atemberaubende Naturkulisse. Leider erzeugten die Treppenstufen die jede für sich anders tief, anders hoch oder anders lang war, langsam Knieschmerzen, so dass wir alleine für den Abstieg wieder knapp 3 Stunden benötigten. Aber der Gedanke an eine warme Dusche und das Frühstück treiben uns langsam aber stetig ins Tal.

Daten & Fakten:
1.000 Höhenmeter
ca. 5.200 Stufen
3 1/2 Stunden Aufstieg
7 Kilometer Länge

Beim Frühstück um 09:00Uhr, man könnte fast meinen wie wären gerade erst aufgestanden, planten wir unser weiteres Vorgehen. Wir beschlossen noch am selbigen Tag weiterzureisen, da der Ort außer dem Adams Peak nicht viel zu bieten hatte und die Unterkunft dafür viel zu teuer war. Noch gemeinsam, nahmen wir den Bus wieder zurück nach Hatton um während der Fahrt nicht nur einmal in Lachen auszubrechen, dass wir tatsächlich über 10.000 Stufen (!!!) hoch und runter gegangen sind um was zu sehen? Nichts! Nichtsdestotrotz war es ein einmaliges, unvergessliches Erlebnis und wir hatten es zumindest überhaupt geschafft. (*Schulterklopfen*)
Leider hatten Maren und  Matheus vor weiter in den Süden zu reisen, wohingegen es uns erstmal weiter in die Berge Richtung Nurawa Eliya zog. So verabschiedeten wir uns am Bahnhof voneinander mit der Gewissheit sich in Deutschland wiederzusehen!

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3 Kommentare

  1. Michael 23. Juli 2016

    Respekt

  2. Jule 24. Juli 2016

    Es ist einfach wunderbar euren Erlebnissen zu folgen und selbst in Gedanken ein Stückchen in die Ferne schweifen zu können! Viel Spaß weiterhin…

  3. Frank 30. Juli 2016

    Und was ist nun mit dem Fußabdruck?!

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