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Sri Lanka – Der Westen

Wir laufen aus dem Flughafen in Colombo heraus und dachten augenblicklich wir wären in den falschen Flieger eingestiegen. Denn das hier konnte doch definitiv nur Indien sein oder nicht?! Alles deutete daraufhin: Unmengen an Menschenmassen, Linksverkehr, lächelnde „Inder“ und Verhandlungen auf indischem Englisch (wer’s nicht kennt: man versteht kein Wort). Das alles macht uns eindrücklich klar, warum Sri Lanka auch „Little India“ genannt wird.
Der Kontrast zu Dubai könnte nicht größer sein. Von einer durchstrukturierten, organisierten und sauberen Stadt sind wir in einer chaotischen, lauten und dreckigen Ecke gelandet. Wir sind schlichtweg völlig überfordert und entscheiden uns deshalb auf die Schnelle für ein Taxi um uns in unser gebuchtes Guesthouse zu bringen. Diese 30-minütige Fahrt gibt uns für den Moment den Rest- aus einer Spur werden drei, es wird wie wild gehupt, Tuk-Tuks (dreirädrige Motorräder), Busse, Autos und Fahrradfahrer drängen auf engstem Raum.

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Verkehr

Wir haben erstaunlicherweise beide keine Angst, wir denken uns einfach die Fahrer sind diesen Verkehr ja gewöhnt, aber unsere Mägen schlagen Purzelbäume. Nach einigem Nachfragen findet unser Taxifahrer unsere Unterkunft und noch nie waren wir über einen frischgepressten kühlen Fruchtsaft so dankbar.

Nach dem kurzen Schock über das Zimmer, waren wir doch den Standard aus Dubai gewöhnt, holten wir erst einmal den verpassten Schlaf nach. Danach trauten wir uns aus dem Haus und erkundeten die Umgebung. Wir waren völlig entsetzt über den Zustand des Strands und sollten schnell feststellen, warum dieser so verschmutzt ist. Eine Einwohnerin kam mit ihrem Hausmüll an die Küste gelaufen und warf dann ihre Säcke einfach an den Strand oder sogar ins Meer. Wir haben uns kurz gefragt was die Sri-Lanker wohl denken würden, würden wir Ihnen erzählen wie die Deutschen ihren Müll fein säuberlich trennen. Außerdem haben wir beide stark mit den streunenden Straßenhunden zu kämpfen. Zum Einen weil fast alle sichtbar an Tollwut leiden und wir ahnen, dass ihnen keine lange und schöne Zukunft mehr bevor steht, zum Anderen weil sie uns an unseren daheimgebliebenen Leo denken lassen, den wir sehnsüchtig vermissen. Wir beide machen uns klar, dass wir uns stark von den wir lebenden Hunden distanzieren müssen, ansonsten wird uns der Drang zu Helfen übermannen.

Nach einem fantastischen Abendessen und einer mehr oder minder guten Nacht (es war einfach zu heiß), stellten wir uns unserer ersten Tuk-Tuk Fahrt welche uns nach Colombo bringt.

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Unser Tuk-Tuk Fahrer

Die Fahrt war dank des erfahrenen und vorausschauenden Fahrers sehr angenehm und erlebnisreich. Wobei wir es sehr drollig fanden, dass er, eigentlich typisch Frau, immer langsamer fuhr je mehr wir uns mit ihm unterhielten. So mussten wir uns also auf der zweistündigen Fahrt immer entscheiden ob wir eher schnell am Ziel sein oder etwas interessantes erfahren wollten. Nachdenklich machte uns jedoch, dass wir für eine solch lange Fahrt den Preis von 2.200 Sri-Lanka-Rupien (ca. 13,50€) auf 1.900 Sri-Lanka-Rupien (ca. 11,50€) gedrückt hatten. Wir fragten uns wie lange wir beide wohl für 2 € arbeiten müssten (es sind im Übrigen ca. 15 Minuten) und entschieden uns deshalb ihm doch den vollen Preis zu zahlen. Wir würden das einfach beim nächsten Essen wieder einsparen.

In Colombo angekommen bezogen wir zum ersten Mal zwei Betten in einem Hostel. Wir hatten keinerlei Ansprüche, da die Nacht 5€ kostet und sind nach ein paar Stunden hellauf begeistert. Nicht nur, dass alles sauber ist, vielmehr sind es die Leute die wir innerhalb weniger Minuten kennengelernt haben, die uns verzaubern. Zum Einen ist da Husam aus Palästina, der uns nach 2 Minuten Unterhaltung fragte ob er uns nicht die nächsten Tage begleiten dürfe. Gefragt, getan. Also wird er in das Innere des Landes mitkommen. Beim näheren Kennenlernen sind wir völlig fassungslos. Er ist seit 5 Jahren unterwegs, geht dorthin wo er ein Visa bekommt und arbeitet wenn man ihn lässt. Wir fragen wann er denn zurück gehen wolle? Von „Wollen“ wäre keine Rede, er kann derzeit nicht mehr zurück. Durch die Situation im Gaza-Streifen ist ihm eine Rückreise nach Hause nicht gestattet. Das sagt er und trägt dabei eine kleine Sporttasche mit all seinen Utensilien. Wir denken sofort das Gleiche: Diese Begegnung wird uns verändern.
Zum Anderen treffen wir auf einen Berliner, der über 3 Monate mit dem Motorrad durch Indien gefahren ist. Er erzählt uns von seinen Erlebnissen und wir merken, dass Sri Lanka doch eine sehr gute Wahl als Einstieg für uns als Backpacker war.

Am nächsten Morgen lassen wir uns drei mit dem Tuk-Tuk zum Bahnhof fahren. Im lauten Gewusel und keinerlei Ansagen auf Englisch versuchen wir unseren Zug zu finden. Glücklicherweise sind
fast alle Sri-Lanker hilfsbereit und zeigen uns den richtigen Weg. Ein paar Wenige leider mit dem Hintergedanken danach eine kleine Spende zu wollen.

Die Fahrt nach Kandy können wir auf einem reservierten Platz in der 2.Klasse genießen. Es ist ein Erlebnis für sich,

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Zugfahrt nach Kandy

das sich kaum in Worten beschreiben lässt. Der Zug rüttelt und schüttelt und wirft einen hin und her, man fühlt sich wie bei einem Ritt auf einem Pferd. Doch die Landschaft entschädigt für die anstrengende 3-stündige Fahrt. Und wer einmal seinen Kopf aus dem offenen Fenster streckt oder sich sogar traut sich aus den offenen Türen (!) zu hängen, wird diesen Moment nie wieder vergessen.

Wir sind nun gespannt was uns die Tage im Gebirge von Sri Lanka bringen werden, sind aber jetzt schon froh über das angenehme Klima und die etwas ruhigere Kleinstadt.

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3 Kommentare

  1. Michael 17. Juli 2016

    Es geht doch
    FÜßE im Wasser

  2. Malte 18. Juli 2016

    Klingt ja jetzt schon nach jede Menge Abenteuer…was da noch die nächsten Monate bringen werden!! Weiterhin ganz viel Spaß!

  3. Tina Bartlome 19. August 2016

    Ich freu mich ja so richtig auf Negombo! Vielen Dank haha 😀

    Liebe Grüsse aus Penang 🙂

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